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Gedanken von
Friedrich Rückert

Vignette

Ich kann aus meinem Haus nicht auf- noch abwärts schreiten,
Dass nicht mich Kinder zwei verlorene begleiten
Süß ist Gestorbensein, und bitter nicht ist Sterben,
doch Sterbensehen ist der Lebenslust Verderben.

Vignette

In des Waldes heil´gem Schweigen
Werd´ ich meine Kinder sehn,
In den Knospen, an den Zweigen
Werd´ ich meine Kinder sehn.
In saphirnen Wiegen schaukelt
Mutter Luft ihr Frühlingskind;
In den Knospen, an den Zweigen
werd´ ich meine Kinder sehn.
In den Blumen, in der Sonne
Wenden Kinderaugen zu
Und im Wind sich kindisch neigen,
werd´ ich meine Kinder sehn.
Wo durchs grüne Laubesgitter
Golden bricht der Sonnenstrahl,
In der Sonnenstäubchen Reigen
werd´ ich meine Kinder sehn.
Wo im Nest sich Tauben schmiegen,
Fische schlüpfen hin im Bach,
Schmetterling´ aus Blumen stiegen,
werd´ ich meine Kinder sehn.
Schlank vor mir emporgewachsen
Als Zypress´ und Pinie,
Mit Gebärden fremd und eigen
Werd´ ich meine Kinder sehn.
An der Stelle meines Bildes,
das im Spiegel von Kristall
Mir der Bach allein will zeigen,
werd´ ich meine Kinder sehn.
Wenn ich meine Augen schließe,
kann ich fühlen sie sind nah;
In des Herzens heil´gem Schweigen
Werd´ ich meine Kinder sehn.